Moria vor dem Brand

Moria vor dem Brand

Moria - kaum ein Flüchtlingscamp dürfte bekannter sein, als dieses. Mehr als 20.000 Geflüchtete aus den verschiedensten Ländern lebten hier bis zum 08. September 2020 auf engstem Raum zusammen.

Das Aufnahmelager wurde 2014 auf einem ehemaligen Militärgelände auf der Insel Lesbos in Griechenland errichtet. Als 2015 die Flüchtlingskrise immer stärkere Ausmaße annahm, geriet die Infrastruktur von Moria immer mehr unter Druck. Das einst für 3.000 Menschen konzipierte offene Lager, wuchs schnell über seine Kapazitäten hinaus.

Von Anfang an war die hygienische und medizinische Infrastruktur des Flüchtlingserstaufnahmelagers unzureichend. Nur durch das Eingreifen diverser internationaler Hilfsorganisationen konnten diese Defizite verbessert werden. Marvin H., Medizinstudent im 5. Semester der Asklepios Medical School, war als Paramedic in der medizinischen Versorgung für eine bekannte Hilfsorganisation tätig.

Die Lage vor Ort, erklärt H. so: "Unsere Arbeit im Camp Moria konzentrierte sich vor allem auf eine zentrale Sammelstelle, der sogenannten Central Triage, an der sich alle Patienten meldeten. Diese Sammelstelle wurde von verschiedenen Hilfsorganisationen gemeinsam betrieben.“ Das größte Problem bei seiner Arbeit in der medizinischen Versorgung: „Die absolut unzureichende Grundversorgung der Menschen mit Lebensnotwendigem seitens der Behörden ."

Medizinische Hilfsgeräte und Verbandsmaterial die von den Hilfsorganisationen zur Behandlung verwendet werden. Foto: Marvin H.

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie im März 2020 hat sich die Situation deutlich verschlechtert. Die Menschen im Camp Moria leben auf engem Raum zusammen, die Gefahr einer Camp-internen Epidemie ist extrem hoch. Um infizierte Personen möglichst schnell zu isolieren, mussten die Hilfsorganisationen ihre Infrastruktur noch weiter ausbauen. Dennoch stellte die begrenzte Möglichkeit viele Menschen auf einmal zu testen, ein Problem dar. Denn: "Ein Teil unserer Aufgabe in der Central Triage war es auch, Covid-19-Screenings zu überwachen. Da wir nur eine begrenzte Test-Kapazität von fünf Labortestungen pro Tag hatten, mussten wir alle Patienten genausten untersuchen“, sagt H..  „Dafür wurden Patienten zunächst nach Symptomen gefragt. Falls Husten, Fieber oder andere Anzeichen für eine Covid-19-Erkrankung bestanden, wurden die Patienten isoliert.“

Neben der Central Triage gab es weitere medizinische Dienste, wie die Emergency Shifts, die an Wochenenden und am Abend zur Verfügung standen. Auch diese konnten durch die Zusammenarbeit der verschiedenen, in Moria tätigen, Hilfsorganisationen realisiert werden. So war es möglich ein breites Spektrum an Erkrankungen zu behandeln, erklärt H. "Das fing bei psychischen Problemen an, ging über infizierte Wunden, Schmerzen in der Bauchregion und Zahnschmerzen bis hin zu in Europa selten gewordenen Erkrankungen, wie der Tuberkulose."